Der Osten schärft sein Profil
ESSLINGEN: Alte Feuerwache und kleines Kaufhaus wecken Hoffnungen – Stadt will Quartier gezielt entwickeln
Neuer Schwung am Eingang in die Küferstraße: Sarah Schmid, Olaf Brotowski, Frank Dittus und Stefan Bräuning (von links) eröffnen im früheren Fallscheer-Haus ein ungewöhnliches Kaufhaus. 50 Mieter finden dort eine Nische, um Kleidung, Kunst, Möbel, Taschen, Deko, Feinkost und mehr anzubieten. Foto: Bulgrin
Auf dem Weg zum eigenen Profil verzeichnet die östliche Altstadt in diesen Tagen zwei wichtige Fortschritte. Am Zugang zu dem Quartier, das von der Ritterstraße bis zum Neckar Forum und Wolfstor reicht, kehrt in der Alten Feuerwache neues Leben ein. Wenige Schritte entfernt entsteht in der Küferstraße ein ungewöhnliches Kaufhaus. Solche Entwicklungen wecken Hoffnungen, dass der Standort sich behaupten kann.
Von Hermann Dorn
„Das ist weit und breit eine der schönsten Einkaufsstraßen, die ich kenne“, sagt Frank Dittus und blickt auf die Küferstraße. Von der Qualität dieser Ecke ist der Geschäftsführer einer Stuttgarter Haus- und Grundbesitzfirma so überzeugt, dass er neben dem Technischen Rathaus das Haus der Firma Fallscheer gekauft hat. Dort schickt er sich zusammen mit dem Architekten Stefan Bräuning an, eine Idee zu verwirklichen, für die es im Großraum Stuttgart bisher kein Beispiel gibt. Auf einer 170 Quadratmeter großen Fläche werden ab 26. November rund 50 Mieter ihre Angebote präsentieren. Abwechselnd werden mindestens zwei Aussteller präsent sein und die Kunden bedienen. Die Palette reicht von Kleidung, Kunst, Möbel, Taschen, Deko, Feinkost und mehr, wobei sich einzelne Aussteller mit einer kleinen Vitrine begnügen werden. „Mode von der Stange und Ware vom Band wird es nicht geben“, betont Dittus, der sich mit diesem Konzept ganz bewusst von den „Einheitsangeboten der üblichen Fußgängerzonen“ absetzen will.
Die Nachbarn sind von der Geschäftsidee angetan. „Solche Adressen passen hervorragend zu dem unverwechselbaren Profil, das wir in der östlichen Innenstadt weiter schärfen müssen“, sagt Ulrike Ehrmann vom Provinzbuch. Die Sprecherin der Geschäftsleute aus der Küferstraße sieht die Zukunft des Quartiers in einer interessanten Mischung von Geschäften, Kultur und Gastronomie, die zum Bummeln, Stöbern und natürlich auch zum Kaufen und Einkehren einlädt.
Günstige Voraussetzungen
Kleinteilige Strukturen, inhabergeführte Geschäfte: So stellt sich auch Wilfried Wallbrecht das Rezept für die östliche Altstadt vor, mit dem sie sich gegen die mächtige Konkurrenz der westlichen Innenstadt zu behaupten kann. „Diese Stärken müssen wir noch gezielter herausarbeiten“, sagt der Erste Bürgermeister. Das neue Kaufhaus („Fallscheer Concept Store“) sieht er ebenso wie die Alte Feuerwache als günstige Voraussetzung für eine Weiterentwicklung. Mit Blick auf den Bio-Markt, der mit einer Tagesgastronomie ergänzt wird, spricht er von einem „kleinen, aber wichtigen Baustein“.
Wenn es um die Zukunft des gesamten Quartiers geht, wird weiterhin alles auf die Privatinitiative ankommen. Im Rathaus bereitet man sich aber darauf vor, diesen Prozess stärker zu begleiten. Daniel Fluhrer, der Leiter des Stadtplanungsamts, kündigt für Januar einen neuen Arbeitskreis an. „Wir wollen mit Geschäftsleuten und Hauseigentümern besprechen, wie es gelingen kann, das Profil weiter zu schärfen“, sagt er. Fluhrer lässt sich von der Überlegung leiten, dass die großen Einkaufszentren auf den grünen Wiesen inzwischen nach dem Vorbild historischer Zentren geplant werden. „Dieses Umfeld besitzen wir schon im Original“, betont der Amtsleiter und wirbt dafür, diese Stärke auszuspielen.
Während die östliche Altstadt als Standort mit speziellen Angeboten gesehen wird, liegt der Schwerpunkt der westlichen Alt- und Innenstadt aus Sicht des Rathauses eher auf großflächigen Geschäften und Filialen. Auf dem Karstadt-Parkplatz und dem Vogelsang-Areal sollen weitere Frequenzbringer angesiedelt werden. Welche Rolle darüber hinaus der heutige Busbahnhof spielen kann, ist noch umstritten.
© Esslinger Zeitung vom 27.11.2011 ARTIKEL ONLINE
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